Hintergrund Kunststoffe im Bau
Kunststoffe sind aus der Bauindustrie nicht mehr wegzudenken. Ihre technischen Eigenschaften ermöglichen einen vielfältigen Einsatz, durch welchen sie einen wichtigen Beitrag zur Reduktion der Umweltbelastung leisten können. Ca. 23 % des jährlichen Schweizer Kunststoffverbrauchs von 1 Mio. Tonne werden in der Baubranche verwendet. Doch was geschieht nach dem Gebrauch mit diesen Materialien?
Wir haben im Rahmen des Circular Building Industry Innovation Boosters Projektes Circoplast Mengenströme analysiert und Massnahmen zur Reduktion, Wiederverwendung und dem Recycling von Kunststoffen im Bau untersucht. Dabei wurde ein grosses Nachhaltigkeitspotential im Ausbau der Kreislaufwirtschaft identifiziert. Ebenfalls kristallisierte sich heraus, dass ein verstärkter Austausch zwischen den diversen Stakeholdern als zielführend erachtet und deshalb gewünscht wird (Schlussbericht). Und da setzte dieses cycleworks an.
cycleworks
cycleworks dient als Austauschplattform, um vertieft und fokussiert in einer Thematik gemeinsam mit verschiedenen Akteur:innen ein übergreifendes Systemverständnis zu schaffen, Probleme zu erkennen und konkrete Lösungen und ihre Umsetzung aktiv anzudenken.
Ziel war es, Akteur:innen entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu involvieren: Bauherr:innen, Planende, Produzierende, Ausführende, Rückbauende und Recycelnde sowie Beratende und Regulierende – alle waren willkommen, denn nur gemeinsam können wir umsetzbare Lösungen finden.
Format
Die beiden Treffen im 2024 wurden ermöglicht durch KUNSTSTOFF.swiss, swisspor und den Migros Pionierfonds:
1. Austausch: Mittwoch, 13. März 2024, hat stattgefunden
2. Austausch: Mittwoch, 22. Mai 2024, hat stattgefunden
Inhalt
Gestartet haben wir im cycleworks – Kunststoffe im Bau mit dem Fokus auf folgenden Themen:
Recycling:
- Welche Sammel-, Sortier- und Recycling-Systeme gibt es bereits im Baubereich, welche befinden sich im Aufbau oder der Entwicklung?
- Was für Möglichkeiten zur Erweiterung / Zusammenführung bestehender Systeme gibt es?
- Welche Herausforderungen (technisch, logistisch, finanziell, regulatorisch, etc.) erschweren heute die optimale Kreislaufschliessung von Kunststoffen in der Bauindustrie?
Regulationen / Vollzug:
- Welche Regulatorien sind bekannt? Wo/wann kommen diese zum Einsatz (und wo nicht)?
- Welche bestehenden Regulatorien erschweren oder unterstützen das Recycling von Kunststoffen aus der Bauindustrie?
- Wie kann der Vollzug helfen, das Kunststoffrecycling auf dem Bau zu fördern?
Basierend auf den Diskussionen des 1. Austauschs wurden im 2. Austausch folgende Ideen gemeinsam weiterbearbeitet:
- Ein Merkblatt «Recyclingpotenzial der Materialien / Bauteile» erarbeiten,
- die Umsetzung Separatsammlung Rückbau JETZT angehen,
- ein Pilotprojekt / Testbaustelle aufziehen,
- Guidelines Design for Recycling / Circularity entwickeln
- eine «Wunschliste» an die Behörden auf nationaler und kantonaler Ebene formulieren
Daneben wurde Raum gegeben für den persönlichen Austausch mit den weiteren Teilnehmenden.
Output
Aus diesen beiden Austauschen heraus sind zwei Nachfolgeprojekte entstanden:
- Übersicht Sammelsysteme Kunststoffe in der Bauindustrie: Diese dient als Hilfestellung für Planende, Bauherren und andere Akteure in der Baubranche, indem zentrale Informationen wie Sammelcontainer, Anlieferungskriterien etc. für bestehende und sich im Aufbau befindende Sammelsysteme von Kunststoffprodukten zusammengefasst werden. Ebenfalls aufgeführt sind Auskünfte zu Kontaktpersonen (Download Übersicht Recyclingoptionen von Kunststoffen in der Bauindustrie Stand Mai 2025).
- Kunststoffrecycling in der Bauindustrie: Zusammen handeln: Im Rahmen dieses vom Bundesamt für Raumentwicklung geförderten Projektes wurden anhand von Testbaustellen Akteur:innen direkt bei der Umsetzung zusammengebracht, so dass Lösungen nicht nur basierend auf theoretischen Konzepten, sondern auch mithilfe von realen Erfahrungen erarbeitet werden konnten. Ziel war es, Hürden und Vorurteile gegenüber dem Recycling von Kunststoffen in der Bauindustrie zu überwinden, resp. abzubauen.